FIRST FISH FIRST
Während eines Praktikums in Tokio beobachteten die belgischen Spitzenköche Rudi van Beylen und Filip Claeys, wie chauvinistisch ihre japanischen Kollegen sind. Spitzenqualität ist für den eigenen Markt bestimmt, und die geringere Qualität wird exportiert. Filip Claeys, der selbst aus einer Fischerfamilie stammt, erkannte auf einmal, wie verrückt das ist: Fisch zweiter Wahl vom anderen Ende der Welt holen, in ein Land an der Nordsee. “Nach meiner Rückkehr kamen bei mir keine überfischten Fischarten wie Thunfisch und Kabeljau mehr auf den Tisch. Das hat mich am Anfang viele Gäste gekostet, aber ich habe den Kurs beibehalten.”
Filip Claeys wurde klar, dass ein Umdenken erforderlich war. Deshalb gründete er zusammen mit Rudi van Beylen das Kollektiv NorthSeaChefs, dem sich Köche und Reeder anschlossen, die unbekannte Nordseefische und Beifang auf die Speisekarte setzen wollten. Die Köche von NorthSeaChefs bekommen alle zwei Monate eine Kiste mit 10 kg dieser Fische, die normalerweise weggeworfen oder zu Fischmehl verarbeitet werden. Dann werden die kulinarischen Möglichkeiten der Fische ausgelotet. Die Ergebnisse werden zwischen allen Mitgliedern ausgetauscht. Zum Kollektiv gehören neben den Köchen des Testteams weitere assistierende Mitglieder, wie Hobbyköche und Fischfachgeschäfte. In diesem Jahr erschien auch das Fischkochbuch ‘Eigen vis eerst!’ (Eigener Fisch zuerst), das 100 Rezepte mit Nordseefisch enthält. Diese Initiative ist inzwischen auch in der Öffentlichkeit bekannt. So liegt der unbekannte Franzosendorsch heute in den belgischen Supermärkten. Auch die von NorthSeaChefs entwickelte und aus dem Tagesfang (Beifang) hergestellte Bouillabaisse-Krokette ist ein großer Erfolg.
“Ein anderes Thema, das uns viel Sorgen bereitet, ist der viele Plastikmüll in den Ozeanen”, so Jens van de Ven, Operations Manager von NorthSeaChefs. “Deshalb statten wir unsere Köche allesamt mit Modellen aus der RPB-Kollektion von Chaud Devant aus. Die Kollektion wird aus recycelten Plastikflaschen hergestellt — da ist das Plastik viel besser aufgehoben als im Meer.”
Mehr Informationen? Diese finden Sie unter www.northseachefs.be.


